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Videoarbeiten


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Markus M. on planes

 

Hintergrund: Gregor hat in der 70ern neben seiner bildnerischen Kunst auch Musik gemacht und 1974 eine Platte mit dem Titel "planes" eingespielt. 2011 wurde diese Platte von dem englischen Label „entr’acte" wieder entdeckt und sie haben bei ihm angefragt, ob sie diese "digital remastern" dürfen. Gregor hat dem zugestimmt, das Ergebnis ist das Hörbare in den Videos.

 

Als Gregor mir nun von der "Digitalisierung" erzählte, kamen wir u.a. zu dem Schluss, dass Musik heutzutage ja eigentlich auch immer mit Video verbunden ist und er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, das mit ihm zu realisieren - zumal er keinen Videoschnitt beherrscht.

 

Das Ausgangsmaterial sind lediglich einzelne Bilder und kleine Videosequenzen die praktisch alle von Gregor sind. Von Bas Jan Ader stammen "nur" ein Bild (I'm too sad to tell you) und eine Videosequenz (Mann fährt in eine Gracht).

 

Videotechnik und Schnitt ist von mir.

 

Der Kopf der Angelegenheit ist Gregor - wobei er sich gerne meine Meinung anhörte und sich davon beeinflussen ließ. Vieles ist einfach gemeinsam am Schneidetisch entstanden.

 

1974 war ich 9. In vollem Umfang habe ich da nicht einmal wahrgenommen, dass Deutschland in einem packenden Finale gegen die Niederlande Fußballweltmeister wurde, geschweige denn, dass es einen Niederländer mit Namen Bas Jan Ader gab, in dem die selbstmörderische Idee, den Atlantischen Ozean von New York aus in einer Jolle zu überqueren, ebenfalls final, heranreifte.

 

Doch was einem Niederländer 1974 wirklich "durch den Kopf ging", egal ob vorwärts von links nach rechts oder rückwärts eben andersherum, egal, ob final oder banal und was andere, völlig unbeteiligte Köpfe auf einem ganz anderen Erdteil (in diesem Fall New York) sich dazu dachten, werde ich auch nachträglich nicht mehr ergründen. Tatsache ist aber, dass, wenn du einen deutschen Mann mit den Zahlen 1, 9, 7, 4 konfrontierst, er daraus garantiert die Jahreszahl „1974“ bastelt und dir oben erwähnte Fakten aufzählt - mit Ausnahme von Bas Jan Ader und der in diesem Jahr erschienenen Platte "planes".

 

Bedeutet dies nun, dass sich der "Mob" nur an unwichtige Fakten erinnert, während es sich bei "Intellektuellen" genau andersherum verhält?

 

Erzeugt der Abruf vermeintlich unwichtiger Geschichtsdaten in Form der Nationalelf im Kontext eines "Kunstprojektes" bei "Intellektuellen" nicht schon fast reflexartig Belustigung und Spott und ist dieses Verhalten nicht hinreichender Indikator einer Profilneurose?

 

Kann man solche Fakten vielleicht doch, videotechnisch, zu einem Konsens verschmelzen?

 

Aber das sind nur Fragmente meiner exklusiven Gedanken. Gregor sieht das zum Teil bestimmt ganz anders, in jedem Fall ist es so, dass Gregor (Jahrgang 47) in den 70ern auf Bas Jan Ader aufmerksam wurde und sich das Bild "I'm too sad to tell you" in sein Gedächtnis einbrannte. Dieses Bild taucht im ersten Video auf. Alle restlichen Bilder und Aufnahmen stammen von Gregor - zum einen war er in dieser Zeit öfter mal in New York und hat mit Super 8 Filmaufnahmen gemacht, anderes stammt aus dem Internet oder wurde mit einer ganz simplen "Handy-Camera" direkt vom Fernseher abgelichtet.

 

Im zweiten Video, das sich ja eher dem "untenherum" annimmt, stammt die Aufnahme, in der der junge Mann mit dem Fahrrad in die Gracht fährt, von Bas Jan Ader. Das restliche Material stammt von Gregor.

 

Ja, das Video ruft bei vielen Unwohlsein hervor. Das ist nicht beabsichtigt. Auch das Gegenteil ist nicht beabsichtigt.

 

Für mich sind es eben keine optischen und akustischen Impfkristalle, sondern eher eine Art Nährstoffschale und wer mag, darf sich bedienen.

 

Stampft der Schuh vor lauter Wut und Ungeduld auf den Boden, weil sein Träger einer schrecklichen Prozedur beiwohnt? Oder gehört er lediglich einem Musiker, der zu einem fröhlichen Tanz aufspielt?

 

Ich weiß wem er gehört und warum er stampft - aber das ist eigentlich völlig unwichtig und es beraubt mich sogar einiger Freiheit!

 

Gregor hat natürlich nie viel von diesen Platten verkauft. Die Gründe liegen mit Sicherheit in der vermeintlichen Schwermut, hervorgerufen durch das Unbekannte. Interessant ist aber, dass damals ein Meditationslehrer über die Platte stolperte und sie in seinen Kursen einsetzte. Die Leute waren begeistert und wollten die Musik auch unbedingt zu Hause haben - und so hat Gregor dann doch einige verkauft.

 

Ein und dieselbe Musik löst also bei dem Einen Unbehagen und Nervosität aus, während sie von einem Anderen bewusst als Medium zur Tiefenentspannung eingesetzt wird.